Yamswurzel-Studien: Was ist bei Wechseljahresbeschwerden wirklich belegt?

Yamswurzel-Studien: Was ist bei Wechseljahresbeschwerden wirklich belegt?

Velmena Redaktionsteam

Die Yamswurzel wird seit Jahrhunderten als Nahrungs- und Heilpflanze genutzt. Trotz dieser langen Tradition ist die wissenschaftliche Datenlage zu konkreten Wirkungen bei Frauen in den Wechseljahren bislang überschaubar. Die vorhandenen Untersuchungen liefern interessante Hinweise, unterscheiden sich jedoch stark hinsichtlich Yams-Art, Dosierung, Zubereitung und Studiendesign. Wenn du neben der Forschung auch Anwendung, Naturheilkunde und Produktformen kennenlernen möchtest, findest du in unserem großen Ratgeber zur Yamswurzel in den Wechseljahren den vollständigen Überblick.

Warum lassen sich Yams-Studien nur schwer vergleichen?

Zur Pflanzengattung Dioscorea gehören mehr als 600 Arten. In Studien wurden unter anderem Dioscorea alata, Dioscorea esculenta und Dioscorea villosa untersucht. Diese Arten unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und ihrem Gehalt an bioaktiven Pflanzenstoffen.

Infografik mit vier wichtigen Fakten zu Yams: über 600 Yamsarten, Diosgenin, begrenzte Studienlage und der Unterschied zwischen Wild Yam und Speiseyams.

Auch die untersuchten Formen sind nicht einheitlich: Manche Arbeiten betrachten gekochte Yamswurzel, andere Pflanzenextrakte, einzelne Inhaltsstoffe oder Cremes. Deshalb können die Ergebnisse nicht automatisch auf alle Yamsprodukte übertragen werden.


Welche Arten von Studien gibt es?

  • Humanstudien untersuchen mögliche Auswirkungen direkt bei Menschen.
  • Laborstudien prüfen, wie einzelne Inhaltsstoffe oder Extrakte auf Zellen reagieren.
  • Tierversuche helfen dabei, mögliche biologische Mechanismen zu verstehen.
  • Systematische Übersichtsarbeiten fassen den bisherigen Forschungsstand zusammen.

Diese Studienarten besitzen eine unterschiedliche Aussagekraft. Beobachtungen aus Zell- oder Tiermodellen sind keine direkten Wirksamkeitsnachweise für Frauen in den Wechseljahren.

Infografik zu Humanstudien, Laborstudien, Tierversuchen und systematischen Übersichtsarbeiten zur wissenschaftlichen Forschung über Yamswurzel in den Wechseljahren.

Wu et al. 2005: Die wichtigste Humanstudie

Die bislang bekannteste Humanstudie stammt aus Taiwan. Untersucht wurden 24 postmenopausale Frauen, von denen 22 die Untersuchung abschlossen. Sie verzehrten über 30 Tage täglich 390 Gramm gekochten Dioscorea alata, also eine essbare Yamsart.

Beobachtet wurden positive Veränderungen bei Östron, Östradiol, SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin), Cholesterin und Markern für oxidativen Stress. Die Studie untersuchte jedoch keine direkte Linderung typischer Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen.

Vergleich mehrerer Studien zur Yamswurzel mit Studientyp, untersuchter Yamsart, zentralen Beobachtungen und wissenschaftlichen Grenzen.

Wichtige Grenzen der Studie:

  • kleine Stichprobe
  • kurze Studiendauer
  • nicht randomisiert und nicht verblindet
  • eine sehr hohe Menge gekochter Speiseyams
  • keine direkte Übertragbarkeit auf Wild-Yam-Kapseln oder Yamscremes

Die Studie liefert daher Hinweise auf messbare Veränderungen, aber keinen allgemeinen Wirksamkeitsnachweis für Yamsprodukte in den Wechseljahren.

 

Komesaroff et al. 2001: Studie zu Wild-Yam-Creme

Eine randomisierte kontrollierte Studie untersuchte eine bestimmte Wild-Yam-Creme bei einer kleinen Gruppe postmenopausaler Frauen. Im Vergleich zu Placebo zeigte sich keine signifikante Verbesserung und auch keine Veränderung der gemessenen Hormonspiegel.

Dieser negative Befund ist wichtig, beantwortet jedoch nicht alle Fragen. Untersucht wurden eine konkrete Cremeformulierung bei Frauen in der Postmenopause. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass jede Yamscreme oder jede andere Lebensphase identisch zu bewerten ist.

 

Weitere Labor- und Humanstudien

Cheng et al. 2007: Laborstudie mit Dioscorea alata. Mehrere Bestandteile zeigten in Zellmodellen östrogenähnliche Aktivität. Daraus folgt keine Aussage zur Wirkung beim Menschen.

Yang et al. 2016: Laborstudie mit mehreren Dioscorea-Arten. Bestimmte Proteinfraktionen beeinflussten in Versuchsmodellen die Östradiolbildung. Eine therapeutische Wirkung ist damit nicht belegt.

Sato und Seto 2024: Humanstudie mit Dioscorea esculenta. Untersucht wurden PMS, Menstruationsbeschwerden und Entzündungsmarker. Es handelt sich nicht um eine Wechseljahresstudie.

Mohapatra et al. 2024: Übersichtsarbeit. Beschrieben werden antioxidative, rezeptorbezogene und stoffwechselbezogene Ansätze. Zugleich wird der Mangel an großen hochwertigen Langzeitstudien betont.

Übersicht zur Wu-Studie mit Yamsart, Teilnehmerinnen, Anwendung, Beobachtungen, Grenzen und Übertragbarkeit der Ergebnisse.

Welche Wirkmechanismen werden diskutiert?

Die Forschung betrachtet heute nicht nur Diosgenin, sondern das Zusammenspiel verschiedener bioaktiver Pflanzenstoffe. Diskutiert werden vor allem:

  • mögliche Einflüsse auf Östrogenrezeptoren
  • antioxidative Eigenschaften
  • entzündungsmodulierende Wirkungen
  • mögliche Einflüsse auf Fett- und Knochenstoffwechsel

Diese Mechanismen stammen überwiegend aus Labor- und Tiermodellen. Ihre Bedeutung für Frauen in den Wechseljahren ist noch nicht ausreichend durch klinische Studien geklärt.


Was ist aktuell belegt – und was nicht?

Gut dokumentiert ist:

  • Yams enthält verschiedene bioaktive Pflanzenstoffe.
  • Einzelne Laborstudien zeigen hormonähnliche und antioxidative Aktivitäten.
  • Die Wu-Studie beobachtete positive Veränderungen bestimmter Hormon- und Stoffwechselmarker.

Nicht belastbar belegt ist:

  • dass Yams typische Wechseljahresbeschwerden zuverlässig lindert
  • dass Yams eine Hormonersatztherapie ersetzen kann
  • dass Diosgenin im menschlichen Körper in Progesteron umgewandelt wird

Infografik zu gut dokumentierten Erkenntnissen und bislang nicht belastbar belegten Aussagen über die Yamswurzel.

Warum berichten Frauen trotzdem von positiven Erfahrungen?

Wissenschaft und Erfahrungsmedizin betrachten unterschiedliche Ebenen. Studien fragen, ob ein Effekt unter kontrollierten Bedingungen nachgewiesen werden kann. Erfahrungsberichte beschreiben individuelle Beobachtungen im Alltag.

Frauen erleben die Wechseljahre sehr unterschiedlich. Ernährung, Stress, Bewegung, Genetik, andere Erkrankungen sowie Darm- und Lebergesundheit können das Wohlbefinden beeinflussen. Positive Erfahrungen sind deshalb ernst zu nehmen, ersetzen aber keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis.


Fazit: Interessante Hinweise, aber noch kein klarer Wirksamkeitsnachweis

Die Studienlage zur Yamswurzel ist interessant, aber noch begrenzt. Die vorhandenen Arbeiten zeigen, dass verschiedene Yamsarten und ihre Inhaltsstoffe biologische Prozesse beeinflussen könnten. Gleichzeitig fehlen größere, hochwertige und langfristige Studien, die konkrete Beschwerden in Perimenopause, Menopause und Postmenopause getrennt untersuchen.

Für eine realistische Einordnung müssen Yamsart, Darreichungsform, Dosierung und Lebensphase immer mitgedacht werden. 

 

Häufige Fragen zu Yamswurzel-Studien

Gibt es Studien zu Yams in den Wechseljahren?

Ja. Es gibt einzelne Humanstudien, Laborstudien, Tierversuche und Übersichtsarbeiten. Die Datenlage ist jedoch begrenzt.

 

Belegt die Wu-Studie eine Linderung von Wechseljahresbeschwerden?

Nein. Sie zeigte Veränderungen bestimmter Laborwerte, untersuchte aber keine direkte Linderung typischer Beschwerden.

 

Sind Studien zu Speiseyams auf Wild Yam übertragbar?

Nein. Unterschiedliche Yamsarten, Dosierungen und Zubereitungen lassen sich nicht automatisch gleichsetzen.

 

Quellen & Studien:

Wu et al. (2005): https://doi.org/10.1080/07315724.2005.10719470

Mohapatra et al. (2024): https://doi.org/10.1002/ptr.8172

Komesaroff et al. (2001): https://doi.org/10.1080/713605087

Cheng et al. (2007): https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jf0711690

Sato & Seto (2024): https://doi.org/10.1177/02601060221130889

Yang et al. (2016): https://doi.org/10.1016/j.jep.2014.05.020

 

 

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