Scheidentrockenheit in den Wechseljahren: Warum Abwarten keine Option ist
Velmena RedaktionsteamWenn sich die Intimzone beim Sport oder bei Zärtlichkeit unangenehm anfühlt, wenn es juckt und brennt, hoffen viele Frauen, dass es nur eine vorübergehende Phase der Wechseljahre ist. Aber die medizinische Realität ist eine andere. Scheidentrockenheit ist häufig kein vorübergehendes Symptom, sondern ein fortschreitender Prozess, der bis zur vaginalen Atrophie, also einer Rückbildung des Gewebes, führen kann. Scheidentrockenheit in den Wechseljahren hat konkrete Ursachen, und es ist sehr wichtig zu wissen, was dagegen zu tun ist. Eine trockene Scheide ist nicht nur unangenehm, sondern beeinflusst auch die Gesundheit des gesamten Urogenitaltrakts, also der Blase und der Harnwege. Deshalb sollten Frauen diesem Thema wirklich Aufmerksamkeit schenken, um einer späteren Inkontinenz vorzubeugen. Scheidentrockenheit ist neben Hitzewallungen eines der bekanntesten und für Frauen offensichtlichsten Symptome der Wechseljahre. Einen Überblick über 34 Symptome der Wechseljahre findest Du hier.
Biologische Ursachen der Scheidentrockenheit: Wenn das Gewebe verhungert
Der Rückgang des Östrogenspiegels hat dramatische Auswirkungen auf das gesamte urogenitale System, also auf Vagina, Gebärmutter, Eierstöcke, Blase und Harnwege. Östrogen sorgt dort für Durchblutung, Elastizität und Feuchtigkeit der Schleimhäute. Weitere Informationen zur Rolle des Östrogens und zu den Folgen des hormonellen Wandels findest du hier.
Die Vagina und die Harnwege gehören zu den Geweben mit der höchsten Dichte an Östrogenrezeptoren. Ohne Östrogen wird die Vaginalwand dünner und trockener und verliert ihre schützende Säureschicht, da sich der pH-Wert ändert. Ein gesundes Intimmilieu ist sauer (pH-Wert ca. 3,5 bis 4,5). Diese Säure wird von Milchsäurebakterien (Laktobazillen) produziert, die sich von Glykogen ernähren. Mit sinkendem Östrogen sinkt auch der Glykogenspiegel und die guten Laktobazillen haben keine Nahrung mehr und verschwinden. Der pH-Wert steigt an und der natürliche Schutzwall bricht zusammen. Dadurch steigt das Risiko, dass sich kleine Risse bilden, durch die Bakterien eindringen. Unbehandelt kann dies zu einer dauerhaften Verengung des Scheideneingangs führen. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, dass Frauen verstehen, welche Ursachen der Scheidentrockenheit in den Wechseljahren sind und was sie dagegen tun können.

Ursache erklärt - Der biologische Wandel:
- Verlust der Epitheldicke: Ohne Östrogen wird die Vaginalwand von einer robusten, mehrschichtigen Schutzbarriere zu einer dünnen, verletzlichen Membran.
- Kollagenabbau: Genau wie im Gesicht verliert das Gewebe im Intimbereich an Elastizität. Es können schmerzhafte Mikrorisse entstehen.
- Verschlechterung der Durchblutung: Das Gewebe wird blasser und weniger regenerationsfähig. Gynäkologen können das bei der Untersuchung sehen.
Der Teufelskreis: Scheidentrockenheit, Blasenentzündungen, Infektionen
Scheidentrockenheit kommt selten alleine. Da die Scheidenwand direkt an die Harnröhre grenzt, leiden viele Frauen zusätzlich unter:
- Wiederkehrende Blasenentzündungen (Zystitis): Der veränderte pH-Wert schafft ein Milieu, in dem sich die schützenden Milchsäurebakterien nicht mehr halten. Ohne sie können sich schlechte Keime leichter durch die Harnwege in die Blase einschleichen.
- Reizblase: Durch den Hormonmangel wird das empfindliche Blasengewebe dünner und reagiert empfindlicher.
- Drangkontinenz: Das Gewebe um die Harnröhre verliert an Stützkraft, was zu ständigem Harndrang führt.
Die North American Menopause Society (NAMS) bestätigt, dass die vaginale Atrophie, also die Rückbildung der äußeren Geschlechtsmerkmale, eng mit urogenitalen Beschwerden verknüpft ist und eine frühzeitige Behandlung mit pH-regulierenden und feuchtigkeitsspendenden Mitteln essenziell ist. https://journals.lww.com/menopausejournal/abstract/2020/09000/the_2020_genitourinary_syndrome_of_menopause.5.aspx
Was tun: Ein 3-Säulen-Konzept gegen Scheidentrockenheit und Atrophie
Um Spätfolgen wie chronische Schmerzen oder Vernarbungen im Urogenitaltrakt zu verhindern, können drei Punkte helfen: Pflege, Schutz und Milieu-Regulation.
1. Regeneration von außen
Eine gute Intimcreme bzw. ein Intimgel muss zwei Dinge leisten: Er sollte zeitnah die Feuchtigkeit der Schleimhaut im Intimbereich verbessern und langfristig dadurch die Schutzbarriere wieder stärken.

2. Hormonelle Balance sanft unterstützen
Neben der rein oberflächlichen Feuchtigkeitspflege kann das hormonelle Gleichgewicht der Haut auch durch pflanzliche Stoffe unterstützt werden, zum Beispiel durch Phytohormone. Hier rücken pflanzliche Inhaltsstoffe wie die Yamswurzel, Rotklee, Sojabohnen, Leinsamen, Hopfen, Granatapfelkernöl, Angelikawurzel sowie Traubensilberkerze in den Fokus. Sie erfordern in ihrer Anwendung aber etwas Geduld.

Die wilde Yamswurzel enthält Diosgenin, eine pflanzliche Verbindung, die strukturelle Ähnlichkeiten zu Progesteron ähnelt und wird traditionell im Zusammenhang mt dem hormonellen Wohlbefinden verwendet.
3. Den pH-Wert retten. Milchsäurebakterien zuführen
Wenn die körpereigene Milchsäureproduktion versagt, können wir nachhelfen. Milchsäurezäpfchen oder orale Milchsäureprodukte können den pH-Wert wieder senken und ein Milieu schaffen, in dem sich nützliche Bakterien wieder ansiedeln können.

4. Lokale Hormonzufuhr
Um dem Schleimhautabbau vorzubeugen bzw. Um ihn rückgängig zu machen, kann der vaginale Eingang regelmäßig mit einer Hormonsalbe behandelt werden. Diese sollte Estriol enthalten, um Schleimhauttrockenheit zu lindern und die Vagina wieder feucht, weich und widerstandsfähig zu machen. Diese Salbe muss von Frauenärzten verordnet werden. Mehr zur Behandlung mit Hormonen erfahren Frauen im Buch „Woman on Fire“ (Link).
Fazit
Scheidentrockenheit in den Wechseljahren ist ein häufiges, aber oft unterschätztes Symptom des hormonellen Wandels. Der Rückgang von Östrogen beeinflusst die Schleimhäute, das Mikrobiom und die natürliche Schutzfunktion im Intimbereich. Eine frühzeitige und passende Unterstützung kann dazu beitragen, die Beschwerden zu verringern und das allgemeine Wohlbefinden im Alltag zu steigern. Dazu gehören geeignete Pflege, die Stabilisierung des Intimmilieus und – bei Bedarf – medizinische Behandlungsansätze. Da die Ausprägung sehr unterschiedlich ist, sollte bei anhaltenden oder starken Beschwerden immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.